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Wandern & Moorschutz: Von Moor zu Moor im Norden Brandenburgs

ChristlMistl | Donnerstag, 7. Juli 2016 | / / / / |

Im dichten Nebel fährt ein Kahn durchs Moor. Seine Insassen sind nur schemenhaft erkennbar. Irgendwo ein Schrei...So oder so ähnlich könnte dies der Auftakt eines spanenden Krimis sein. Was macht das Moor nur mit uns, dass es uns seit Ewigkeiten gleichsam sowohl verängstigt als auch fasziniert? Ist es das mystisch Geheimnisvolle, seine Angst einflößenden Sagen oder schlichtweg seine pure Naturschönheit? Was auch immer es sein mag, als ich auf der Suche nach Wanderungen in Brandenburg war und ich auf die Moorwanderung stieß, stand für mich sofort fest: Ich muss dahin - Ich will unbedingt mal ein Moor sehen! Also fuhren wir los, um uns auf die Suche nach ein paar Moorleichen zu machen. 

Mich führte es im Frühjahr also in das Ruppinerland, genauer gesagt, in das beschauliche, brandenburgische Menz. Unser Auto parkten wir am Naturparkhaus, das auch der Startpunkt der offiziellen Wanderroute ist. Zunächst liefen wir am wunderschönen, großartig funkelnden Roofensee entlang, bis wir auf den Naturerlebnispfad stießen. Dieser ist als Rundweg angelegt und führt durch fünf Niedermoorflächen, die verschiedene Ausprägungen angenommen haben. Anhand von Informationstafeln sowie Mitmach-Modellen lernt man an jeder Station mehr über z. B. die Entstehung, Nutzung oder Gefährdung eines Moores. Rund 12km wanderten wir also zwischen unglaublich schöner Natur und wachsendem Wissen. 
Die genaue Route gibt es übrigens hier ->




Wie entsteht denn nun so ein Moor? 

In Deutschland begann das Wachstum der Moore vor ca. 12.000 Jahren nach der letzten Eiszeit. So unterscheidet man zwischen Nieder-/Zwischenmoore sowie Hochmoore. Erstere sind mit dem Grundwasser verbunden, sehr nährstoffreich und entstehen oftmals in feuchten Senken, Flussniederungen oder verlandeten Seen. Durch abgestorbene Pflanzenteile entsteht mit der Zeit Torf und somit wächst ein Moor in die Höhe. Ein Zwischenmoor bildet dann den Übergang zum Hochmoor. Ein Hochmoor wird nur durch Regen gespeist. Ein Moor wächst übrigens nur einen halben bis einen Millimeter pro Jahr, aber nur nasse Moore können überhaupt wachsen.



Warum sind Moore so wichtig? 

Moore gelten als eine der letzten naturnahen Lebensräume schlechthin, die aber wegen Entwässerung sowie Torfabbau gefährdet sind. Vor allem in niederschlagsarmen Regionen haben Moore eine große Bedeutung, da sie hochwirksame Wasserspeicher sind - somit als Hochwasserschutz gelten - und das durchfließende Wasser filtern. Ist es also sehr trocken, geben sie wieder das Wasser an die Umwelt ab. Außerdem unterbrechen sie Stickstoff- und Kohlenstoffkreisläufe und entlasten damit unsere Umwelt, die mit Nährstoffen oftmals überbelastet ist. So können Moore doppelt so viel Kohlenstoff speichern als alle Wälder zusammen, obwohl sie nur drei Prozent der Weltoberfläche ausmachen. Daher könnten sie auch ein effektives Mittel zum Klimaschutz sein. 

Zudem stechen Moore mit ihrer hoch spezialisierten, vielfältigen Tier- sowie Pflanzenwelt hervor. Die meisten Leben aber an Übergangsflächen zwischen Moor und Wiese, denn Wiesenpflanzen können dort noch und Moorpflanzen schon überleben. Hier abgestorbene Pflanzenreste werden konserviert (Torf) - somit können Moore uns auch Auskünfte über vergangene Zeiten geben. In den Torfschichten können jahrtausendalte Samen sowie Pflanzenteile stecken, da sie nicht verrottet sind.

Wie schon gesagt, sind die Moore heutzutage bedroht. In Deutschland gelten nur noch fünf Prozent der Moorflächen als naturnah. Aber auch viele davon sind bereits durch Nährstoffeinträge, Entwässerung sowie land-/forstwirtschaftlicher Nutzung beeinträchtigt. Geht also der Torfabbau so weiter, könnten in 50 Jahren die Moore komplett verschwunden sein. Darüber hinaus gelangt durch Trockenlegung Sauerstoff in die obersten Torfschichten, wo Mikroorganismen den Torf zersetzen und den gespeicherten Kohlenstoff in klimaschädliches Kohlendioxid umwandeln. 



Wie kann man ein Moor schützen bzw. renaturieren?  

Moorschutz fängt schon in den eigenen vier Wänden an, denn oftmals steckt in der gekauften Blumenerde Torf. Dabei gibt es auch längst torffreie Blumenerde auch in den großen, herkömmlichen Baumärkten. Auch langfristig gesehen ist solche Erde besser als torfhaltige bzw. torfreduzierte Erde, denn sie verbessert unter anderem dauerhaft die Humus- sowie Nährstoffversorgung des Bodens. Mehr nützliche Informationen, auch zu Herstellern nachhaltiger, torffreier Erde, liefert der NABU in einem Infoflyer.

Um ein Moor zu renaturieren, gibt es folgende Maßnahmen: Wiedervernässung trockengelegter Flächen, Beseitigung von Gehölzwuchs sowie das Mähen der Flächen zur Beseitigung von Pflanzen, die eigentlich nicht im Moor vorkommen. Für eine Wiedervenässung von Niedermoore müssen zunächst alte Entwässerungsgräben verschlossen und die Fläche anschließend von Gehölzen befreit werden. Ansonsten nehmen sie dem Moor Licht und Wasser. Ein Hochmoor zu renaturieren gestaltet sich schwieriger, da dieses nährstoffarmes Wasser benötigt. So eine Wiedervernässung dauert Jahre. Abgetorfte Flächen werden wieder hergestellt und das steigende Wasser verursacht das Absterben unerwünschter Pflanzen. Mit der Zeit sollen sich dann auch wieder Hochmoorpflanzen ausbreiten, sodass sich wieder naturnahe Bedingungen ergeben sollen. Langfristig gesehen (eher in Jahrhunderte rechnen), soll so wieder ein lebendes, Torf bildendes Moor entstehen. Ob dies gelingen kann, ist eine Frage der Zukunft.


weiterführende Links:

"Naturerlebnispfad von Moor zu Moor" - Landesamt für Umwelt
"Moorerlebnispfad" - Reiseland Brandenburg
"Moorschutz" - NABU
"Moor-Renaturierung" - Planet Wissen

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