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Minimalismus - das Bewusstsein für die wichtigen Dinge im Leben

ChristlMistl | Mittwoch, 5. Oktober 2016 | / / / / |

Minimalismus - ein Lebensstil, der sich als Gegenbewegung zur konsumorientierten Überflussgesellschaft sieht, um so ein selbstbestimmteres sowie bewussteres Leben zu führen.

Ich glaube, dass viele bei dem Wort Minimalismus ein stereotypes Bild von Kargheit, Eintönigkeit und Verzicht vor sich haben. Hatte ich schließlich auch einmal. Aber seitdem ich mich privat seit ein paar Jahren immer intensiver mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftige, erhielt ich eine neue, vielfältige und vor allem sehr überlegenswerte Sicht auf diesen Lebensstil. Von daher versuche ich mich heute, diesem Thema von meiner ganz eigenen Perspektive her zu nähern.

Es geht hier nicht darum, einfach von heute auf morgen auf alles zu verzichten, sondern sich und vor allem seinen Konsum zu hinterfragen. Brauche ich wirklich die x-te Bluse, die sich nach einmal waschen eh wieder verzieht? Muss es wirklich schon wieder ein neues Smartphone sein, nur weil dein ein Jahre altes nicht mehr up to date ist? Konsum, nur um viel zu besitzen oder des Prestiges wegen, macht auf Dauer nicht glücklich, sondern stresst zunehmend. Zu oft haben wir doch das Gefühl mit Reizen überladen zu sein, den Wald vor lauter Bäume nicht mehr sehen zu können. Denn ja, die Auswahl ist riesig und das Gefühl fängt schon in unseren eigenen vier Wänden an. 

Im Minimalismus hinterfragst du deine Kaufentscheidungen hinsichtlich Sinnhaftigkeit und Notwendigkeit. Du fängst an, bewusster und vor allem gezielt einkaufen zu gehen. Shopping just for fun, weil gerade Sale ist und man sich die Tüten vollstopfen kann - meeeh! Mal ehrlich, wie viel davon versauert in der hintersten Schrankecke? Eben! Muss es überhaupt immer neu sein? Kann man es nicht selber machen? Es reparieren? Mieten? Leihen? Teilen? Wiederverwenden? Lässt sich dadurch nicht auch die Umwelt schonen? Wäre das nicht nachhaltiger - sich von dem zu befreien, was überflüssig, gar belastend ist und seinen Blick auf die wesentlichen Dinge zu richten? 

Es geht darum, auch seine Freizeit wieder mehr wertzuschätzen. Zu oft setzen wir uns unter Termindruck, denken an nichts anderes als an Arbeit, hetzen von A nach B - nur, um am Ende des Monats genügend Gehalt zu verdienen, um unseren exzessiven, unüberlegten Konsum zu finanzieren. Geld und Besitz werden oftmals viel zu sehr überbewertet. Hier geht es darum seine Lebenszeit mehr zu genießen, mehr Lebensqualität zu gewinnen und seine Freizeit sinnstiftender zu gestalten. 



Bin ich ein Minimalist?

Ja und nein. Kleidung shoppe ich zu 90 Prozent nur noch nach Bedarf. Ich habe wirklich das Gefühl, dass ich genügend Kleidung besitze, sodass ich mittlerweile sehr oft in einem Klamottengeschäft nicht weiß, was ich hier eigentlich soll. Seitdem ich festgestellt habe, dass ich genügend Kleidung habe, eh immer wieder die gleichen Lieblingsteile anziehe und wie viel Geld ich eigentlich für unüberlegte Käufe ausgab, interessiere ich mich ganz automatisch nicht mehr für die Dinge, die da im Geschäft so herumhängen. Ehrlich, es juckt mich einfach nicht mehr, ganz im Gegenteil - es langweilt mich. Nur ein kleines Beispiel hierfür: die meist getragene Kombi in diesem Sommer waren T-Shirts aus dem Kleiderschrank meiner Mutter, ein und dieselbe Shorts, die ich schon seit ein paar Jahren besitze und dazu ein Armband, das ich einmal selbstgeknüpft habe.

Ich nutze lieber die gewonnene freie Zeit, um Dinge zu machen, die mich glücklicher machen - für Freunde & Familie, für Ausflüge & Reisen oder für ein paar Stunden mit mir alleine z. B. in einer Buchhandlung versunken in Büchern. Denn bei Letzteren kann und will ich nicht auf den Konsum verzichten. Es ist einfach zu schön, nach guten Büchern zu suchen, egal wo - in der großen Buchhandlung, in einer kleinen Bücherecke, auf dem Flohmarkt, etc. Denn Lesen ist für mich eine wunderbare Freizeitbeschäftigung, die ich intensiv genieße und der Besitz von Büchern ist für mich persönlich der schönste Dekor in einem Raum. 

Ich kaufe, wenn es hochkommt, maximal fünf Mal im Jahr online ein. Ich habe einfach wieder gemerkt, wie schön es ist, sich zu bewegen, in einen Laden zu gehen und es dort zu kaufen. Sehe ich es nämlich nicht ein, aufzustehen und loszugehen, so kann es auch kein wichtiges, kaufenswertes Produkt für mich sein. Wie oft saß man schon vor dem Rechner und klickte sich durch die Online-Shops, nur um am Ende gar nichts zu kaufen. Ehe man sich versah, waren unbemerkt eins, zwei Stunden flöten gegangen - was für eine Zeitverschwendung! Zudem hat diese Sichtweise viele Vorteile: es schont die Umwelt (Lieferwege, Verpackung etc.), unterstützt den Einzelhandel, man kann das Produkt noch einmal in echt betrachten, erspart sich die Wege zur Post und man gibt seine persönlichen Daten online nicht preis. Bezogen auf Letzteres achte ich nun, wenn ich doch einmal online bestelle, dass ich A) als Gast bestellen (also kein Kundenkonto anlegen muss) und B) auf Rechnung zahlen kann. Das heißt auch, dass ich so gut wie alle Kundenkonten gelöscht habe und ich vermisse ehrlich gesagt nichts. 

Meine Bestellungen beschränkten sich zuletzt auf zwei Wandregale und drei Vorhänge mit Gardinenstangen. Ich bin halt gerade umgezogen und ja, ich habe mich zum Großteil neu eingerichtet. Doch vieles ist nicht im eigentlichen Sinne neu. Mein Tisch zum Wohnen, Leben, Essen, Arbeiten ist eine aufgemotzte Palette, die Stühle dazu sind Secondhand mitgebracht aus dem Dänemarkurlaub, der alte Tritthocker hat einen neuen Anstrich passend zum Tisch bekommen, das Bett wurde selbst gebaut ebenso die Vitrine, welche bereits jahrelang ihr Dasein in Papas Wohnung gefristet hat. Viele Möbel besaß ich vorher nicht, da einiges dem Studentenwerk gehörte (ich wohnte in einem Studentenwohnheim). Der Teil, der nicht mit in die neue Wohnung zog, wurde entweder verkauft oder steht jetzt in meinem "Kinderzimmer" in der Heimat, aus das ich lediglich die alte, abgenutzte Teppichware rausschmiss. Ansonsten musste nur ein bisschen Möbelrücken gespielt werden und ich hatte auf einmal ein größer sowie erwachsener wirkendes Zimmer. Ich kann es selbst noch kaum glauben. Vielleicht sitze ich an den Wochenenden nun auch mal wieder öfter in meinem Zimmer, anstatt nur im Wohnzimmer. 

Lasst es mich noch einmal kurzfassen: Ich habe angefangen, meine Kaufentscheidungen zu hinterfragen, mir meinen Konsum bewusst zu machen. Ich verzichte nicht - ich kaufe nur nicht mehr zum Großteil blind drauf los, weil es gerade trendy ist, irgendwo energisch empfohlen wird, es günstig ist oder einfach nur schön aussieht. Ich kaufe hauptsächlich nach Notwendigkeit ein. Ich habe wieder angefangen, mehr selbst zu machen, mehr zu kochen, zu backen, zu gärtnern und somit mir mein eigenes Essen heranzuzüchten. Und das macht Spaß. Großen sogar! Aber niemand ist perfekt und ich ebenso. Ich bin niemand, der anfangen würde, rigoros auszurümpeln (bis auf den Kleiderschrank, was bitter nötig war, wie ich leider erschreckenderweise feststellen musste). Das, was ich besitze, benutze ich, solange es einen Nutzen für mich hat. Nur noch mehr "anschaffen", das mag ich wirklich nicht mehr. Denn Weniger ist ja bekanntlich mehr!

Kommentare :

  1. schöner Artikel!
    für mich geht es auch nicht darum irgendwelchen krassen (aus meiner Sicht) Regeln zu folgen, sondern so bewusst wie möglich mit meinem Geld umzugehen.. ich hab meinen Kleiderschrank jetzt drei Mal hintereinander durchgeguckt und vieles aussortiert, ein paar Teile bin ich auf dem Flohmarkt los geworden, der Rest geht jetzt an einen Charity Laden, damit die Teile nicht nochmal im Schrank landen - vielleicht haben ich immer noch zu viele Klamotten, aber ich steh auf Klamotten und im Moment liegt mir jedes Teil am Herzen, in einem halben Jahr werde ich einfach nochmal alles durchgehen - das hat total gut getan und damit ich nicht sämtliche Lücken direkt wieder auffülle, darf ich jetzt erstmal nichts Neues kaufen :D bei Büchern gilt das Verbot im Moment auch, einfach, weil ich noch einige Schätze lesen muss und die ja nicht endgültig einstauben sollen ;)
    in Sachen Möbeln werd ich auch versuchen kreativ zu werden, wenn ich endlich ein feste Bleibe gefunden hab und wenn ich dann richtig alleine wohne, werd ich das mit allem anderen auch versuchen für mich gut und bewusst zu lösen!

    Liebe Grüße Katrin

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  2. Wenn ich mal so darüber nachdenke, bin ich wohl auch sowohl als auch... Ich würde mich generell als sparsam und überlegte Einkäuferin bezeichnen. Mein Handy tausche ich nur aus, wenn es nicht mehr funktioniert (was also quasi die letzten Jahre auch sehr selten der Fall war), bei Kleidern verhält es sich ähnlich... nur bei Büchern kann ich auch nicht so ganz drauf verzichten. Ich liebe lesen und habe einfach immer schon viele Bücher gekauft. Aber hier lesen die dann wenigstens auch noch meine Mama und meine Schwester. Manchmal sogar Tante und Oma. Ich denke das ist dann okay... ;)

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