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Die Leichtigkeit des Seins

ChristlMistl | 28. Juni 2017 | |

Heute folgt ein Text, den ich letztes Jahr im September geschrieben habe und der irgendwie in den unzähligen Entwürfen untergegangen war. Jetzt hat er sich wieder an die Oberfläche gekämpft und meine Aufmerksamkeit gekrallt, denn auch fast ein Jahr später kann ich das, was ich da geschrieben hatte, zu hundert Prozent unterschreiben. Obwohl, vielleicht bin ich seit diesem Sommer noch etwas entspannter geworden. Und so kommen wir doch auch gleich zu der Leichtigkeit des Seins:

September 2016: In letzter Zeit merke ich immer mehr, wie ich zunehmend entspannter mit meinem Äußeren werde. Angefangen hat die Erkenntnis im Dänemark Urlaub. Wollte ich es bequem haben, bin ich auch den ganzen Tag in meinen kurzen Sporthosen herumgerannt. Irgendein fancy Outfit, das sich super zu dieser oder jener Kulisse machen würde? Viel zu anstrengend! Schminke wurde mir von Tag zu Tag gleichgültiger, obwohl meine Haut vor allem in den ersten Tagen alles andere als schön aussah. Aber mit den Tagen an der wohltuenden Meeresluft wurden die Entzündungen weniger und eine schöne Sommerbräune nahm zu, sodass ich irgendwann komplett auf Make-Up verzichtete. Es gab nichts Schöneres als das befreiende Gefühl barfuß oder zumindest in Birkenstocks durch die Gegend zu rennen und auch bei 18 Grad noch in kurzen Hosen herumzuhüpfen, ohne dabei schief angeschaut zu werden. Denn es ist doch so, im Norden herrschen andere Auffassungen von Wärmegraden, die auch in mir verankert sind, jedoch nicht in der Mitte Brandenburgs.

Dieses Gefühl nahm ich mit nach Hause. Meine kurze Sporthose ist auch hier noch ein treuer Begleiter, vor allem beim Umzug war sie bei der Hitze einfach spitze. Und auch wenn es etwas kühler ist, bin ich nicht diejenige, die gleich an lange, warme oder dicke Sachen denkt, wie es der Großteil aber anscheinend macht. Wenn ich mal keine Mascara trage, stört mich das im geringsten. Make-Up ist auch nur dezent auf ein paar Rötungen aufgetragen. Der Sommer in Form von Bräune und Sommersprossen sollen schließlich sichtbar bleiben und nicht hinter Schichten von Pasten verschwinden. Sitzen die Haare mal wieder nicht so, wie sie eigentlich sollten und könnten, ja dann ist das ab jetzt halt so! Dass ich Dellen in den Oberschenkeln habe, stört mich schon lange nicht mehr, dafür lebe ich auch schon zu lange mit meinem anscheinend nicht vorhandenem Bindegewebe. Genauso mit meinen unzähligen blauen Flecken (jetzt nach dem Umzug sieht das herrlich aus!). Ich glaube, es gab noch nie einen Tag, an dem es keinen blauen Fleck an meinem Körper gab. Mich hat das aber noch nie aufgehalten, Shorts zu tragen oder mich mit Stoff zu „verhüllen". Es ist Sommer, es ist warm, mir ist warm. Also ziehe ich mich auch dementsprechend an, um nicht komplett zu zerfließen. Während des Umzugs lebte ich zudem zum Großteil aus einem Rucksack - ein paar Lieblingsshirts, eine Lieblingsjeans, zwei Shorts, eine Jacke, ein paar Stoffsneaker und meine Birkenstocks, die sowieso im Dauereinsatz sind. Nicht mehr und nicht weniger und ich merkte, dass es mir reichte.


Seitdem ich vor fünf Jahren aufgehört habe, mich zu wiegen (schmeißt die Körperwaage in den Müll, ehrlich jetzt!) und angefangen habe, auf die Bedürfnisse meines Körpers zu hören, haben die Gewichtsschwankungen aufgehört. Mit der Zeit habe ich abgenommen und mich bei einem Gewicht eingependelt. Seitdem genieße ich das Essen, ohne verzichten zu müssen und ohne ein schlechtes Gewissen zu haben. Wenn ich Appetit auf Schoko habe, dann gibt es Schoko. Die Menge macht’s. Essen ist Balsam für die Seele. Und was meiner Seele gut tut, tut auch meinem Körper gut. Der Körper meldet sich von ganz alleine, wenn ihm etwas fehlt oder wenn er genug hat - er achtet von ganz alleine auf die Ausgewogenheit. Nur leider haben wir heute oftmals einfach verlernt, auf die Stimme unseres Körpers zu hören! Dieses Befreien von den „Regeln“, die dir Zeitschriften bzw. die Medien eintrichtern wollen á la nach 18 Uhr keine Kohlenhydrate mehr, Kalorien zählen, Diät XYZ, etc. ist das beste, was man machen kann. Das einzige, auf was ich achte, sind Inhaltsstoffe (wenig/keine Chemie, viel Bio) und Herkunft der Lebensmittel (am liebsten, aber nicht immer möglich, regional oder selbstangebaut). Ansonsten esse ich das, auf was mein Körper gerade Lust hat.

Mit dem Älterwerden merke ich immer mehr, wie ich mit mir und meinem Körper im Reinen bin. Ein gepflegtes Äußeres wird mir immer wichtig sein, nur gehe ich mittlerweile wesentlich entspannter mit so einigen Dingen um. Denn nur weil mal das Haar nicht richtig sitzt oder die Mascara fehlt, sieht man nicht gleich ungepflegt aus. Ich bin so wie ich bin und ich mag mich so wie ich bin. Ecken, Kanten, kleine Makel, die habe ich, die hat jeder - nur, sie stören mich einfach nicht mehr. Ich muss keine Modelmaße haben, um mich wohl zu fühlen. Ich fühle mich frei. Frei von angeblichen Beautyvorschriften, frei von angeblichen Modediktaten. Die Leichtigkeit des Seins halt!

Kommentare :

  1. Boah, ist das schön. Echt jetzt. Was du beschreibst, würde ich tatsächlich mal als 'goal' titulieren! Und wenn ich es mir so recht überlege: Mir geht es mit meinem Äußeren und dem Körpergefühl auch am besten, wenn ich mich nicht allzu viel mit Instagram und Co beschäftige und mehr auf meinen Körper höre – wie z.B. während meines Kuba-Trips.

    Ganz viel Liebe für diesen Post!

    ...und liebe Grüße an dich! :)

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  2. Wow, der Post ist dir wirklich wahnsinnig gut gelungen! Der Text ist so schön geschrieben. Selbstliebe ist tatsächlich ein Lernprozess, den hoffentlich irgendwann alle Leute so früh wie möglich gelernt haben :)

    Viele liebe Grüße, Julia ☾ | www.serendipityblog.de

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