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Der virtuelle Wasserverbrauch im Fashionbereich mit Tipps & DIYs zur Reduzierung
{Ripped Jeans, Boho Sandals}


Während wir uns in unseren Regionen eher selten den Kopf über Wasserknappheit zerbrechen müssen, sieht das in vielen anderen Teilen der Welt ganz anders aus. Insbesondere unser Konsumwahn unterstützt diese Erscheinung, denn oftmals werden unsere Konsumgüter in Ländern produziert, in denen es der Bevölkerung immer häufiger an Trinkwasser mangelt. Wasser im Haushalt zu sparen, ist mit effizienten Spülköpfen und Sparprogrammen relativ einfach umzusetzen. Aber um unseren indirekten Wasserverbrauch zu senken, bedarf es einer bewussten Änderung in unseren Konsumentscheidungen.

Wusstet ihr zum Beispiel, dass für die Produktion einer Jeans rund 8000 Liter Wasser benötigt wird (vgl. Süddeutsche 2010)? Ich bis vor Kurzem auch nicht. Die Zahl sagt einem sowieso erst mehr, wenn man sie anschaulich in Relation setzt. Diese Wassermenge verbrauchen wir äquivalent innerhalb von ca. einem halben Jahr beim Betätigen der Toilettenspülung (ca. 40l/Tag) oder um das ganze noch etwas mehr ad absurdum zu führen: von dieser Wassermenge kochen und trinken wir mehr als vier Jahre lang (ca. 5l/Tag) (vgl. ebd.). Das lässt einen erst einmal ordentlich stutzen, schließlich sinkt der Wasserverbrauch der Deutschen zusehends und lag 2013 mit 121 Liter pro Kopf und Tag so niedrig wie noch nie (vgl. Statista 2017). Und in dieser Zahl liegt das Problem, denn sie erfasst nur den direkten Wasserverbrauch (Kochen, Putzen, Trinken, Waschen, etc.) und nicht den, der durch unseren Konsum (Kleidung, Geräte, Nahrungsmittel, etc.) noch darüber hinaus indirekt anfällt. Würden wir beide Kennziffern zusammenrechnen, kämen wir in Deutschland durchschnittlich auf 4000 Liter pro Kopf und pro Tag (vgl. Planet Wissen 2017), was so viel wie ca. 25 volle Badewannen bedeuten würde (vgl. BR 2014).

Somit wären wir auch schon beim virtuellen Wasserverbrauch, also der Menge Wasser, die zur Herstellung eines Produktes bzw. einer Dienstleistung entlang der Wertschöpfungskette aufgebracht werden muss. Womit wir jetzt auch schon einen Bezug zur Einleitung herstellen können. Denn oftmals werden gerade Konsumgüter, wie eben Kleidung, die in ihrer Herstellung einen sehr intensiven Wasserverbrauch haben, in Ländern produziert, in denen es an Trinkwasser mangelt (vgl. Utopia 2014). Unsere Gier nach neuen Kleidungsstücken und Trends bewirkt also nur, dass unser virtueller Wasserverbrauch steigt und die Wasserkapazität in den Produktionsländern zunehmend sinkt.

Virtueller Wasserverbrauch in der Fashionindustrie

Für die Herstellung unserer Jeans und Shirts wird häufig Baumwolle verwendet, die im Anbau sehr intensiv in ihrem Wasserbedarf ist. Dennoch wird sie vorwiegend in trockenen Regionen angebaut, da zu viel Regen die Ernte vernichten könnte, da sich die Knospen mit zu viel Wasser vollsaugen und somit verfaulen würden (vgl. BR 2014). Daher müssen die Plantagen je nach Standort künstlich bewässert werden, um den Durst der Pflanze löschen zu können. Während Indien seine Plantagen großteils noch mit natürlichem Regenwasser versorgen kann, wird in Usbekistan das Wasser aus Seen, Flüssen und dem Grundwasser gezogen (vgl. Zeit 2013). Oftmals endet dies dann in sinkende Grundwasserspiegel, versalzte Böden und Flussumleitungen. Beobachtbar ist dies bereits am Aralsee: früher einmal der viertgrößte Binnensee der Welt, heute großteils eine Salzwüste (vgl. ebd.).

Während des Anbaus werden dann aufgrund der Anfälligkeit der Pflanze häufig Pestizide eingesetzt, die aus der geernteten Baumwolle wieder ausgewaschen werden müssen. Auch beim Bleichen und Färben wird wiederum Wasser verbraucht. Die so entstehenden Abwässer benötigen dann für ihre Reinigung auch wiederum Frischwasser, falls sie nicht eh ungereinigt abgeleitet werden und somit noch ein weiteres ökologisches Desaster erzeugen (vgl. nachhaltigleben o. J.).

10.000 Liter Wasser werden somit insgesamt pro Kilogramm Kleidung benötigt. Allein 85% davon gehen auf die Herstellung der Baumwolle zurück, wovon mehr als die Hälfte die Bewässerung der Plantagen ausmacht (vgl. Ingenieur.de 2014). Die restlichen Prozente verteilen sich auf die nachgelagerten Produktionsschritte. Aber nicht nur in der Baumwollproduktion werden Unmengen an Wasser verbraucht: für die Herstellung und Verarbeitung von einem Kilogramm Rindsleder wird sogar noch mehr Wasser benötigt, nämlich rund 17.000 Liter (vgl. Stern o. J.).

Wie kann ich meinen virtuellen Wasserverbrauch im Fashionbereich senken?


Alternative Fasern
Wie bereits beschrieben, steckt in der Baumwolle schon sehr viel virtuelles Wasser, doch stattdessen auf Kunstfasern zu setzen, wäre auch nicht die richtige Lösung. Denn Letztere sind insbesondere ökologisch bedenklich, wie die Problematik unseres Plastikverbrauchs im Generellen und die von Mikroplastik im Speziellen zeigen. Daher empfiehlt es sich, auf Bio-Baumwolle zu setzen. Natürlich ist auch hier der Wasserverbrauch immer noch hoch, denn Baumwolle bleibt Baumwolle, aber in der Bio-Produktion werden keine giftigen Pestizide im Anbau und weniger Chemikalien in der Herstellung verwendet - somit können zum einen Grund- und Abwasser geschont werden und zum anderen entfällt der Produktionsschritt, in dem die Giftstoffe herausgewaschen werden müssen (vgl. Utopia 2014).

Eine andere Möglichkeit wäre, auf Kleidung zu setzen, die auf recycelte Fasern zur Herstellung ihrer Kleidungsstücke setzen. Auch andere Naturfasern, wie Hanf oder Leinen, haben mit ca. 2500 Liter pro Kilogramm einen weitaus geringeren virtuellen Wasserverbrauch (vgl. nachhaltigleben o. J.).

Langlebigkeit, Genügsamkeit & DIYs
Eines der wichtigsten Kriterien für eine bessere Ökobilanz ist Langlebigkeit. Umso besser wir also mit unserer Kleidung umgehen und sie dadurch umso länger tragen können, desto besser ist natürlich die Bilanz für die Umwelt. Denn auch wenn die Kleidung noch so ökologisch hergestellt wurde, sie verbraucht immer wieder neue Ressourcen, wie Wasser. Daher sollten wir uns immer vorher fragen, brauchen wir wirklich das zehnte weiße T-Shirt im Schrank, muss ich eine ripped Jeans kaufen oder habe ich nicht eine normale Hose zu Hause herumliegen, die ich dann selbst destroyen kann? Gibt es nicht auch Alternativen in Secondhand-Läden, auf dem Flohmarkt, im Kleiderschrank der besten Freundin oder sogar in denen der Eltern (wie das T-Shirt auf dem Foto)? Vielleicht fristen einige Teile mehrere Jahre in der hintersten Ecke im Kleiderschrank ein tristes Dasein. Manchmal entdeckt man sie wieder, weil sich der persönliche Geschmack wieder verändert hat oder dieses Teil auf einmal wieder im Trend liegt. Wenn nicht, kann man aber oftmals aus den ungeliebten Stücken wieder neue Lieblingsteile entwerfen. Wie das geht, zeige ich euch anhand zwei persönlicher Beispiele.


DIY - Boho Sandals

Die Boho Sandals habe ich bereits vor zwei Jahren gebastelt, als ich mich in ähnliche Modelle, die ich auf Instagram gesehen hatte, schockverliebte, sie mir aber viel zu teuer waren. Gut, dass ich noch ein paar alte Römersandalen, die ich eh nicht mehr mochte, hatte und gerade ziemlich gut in Freundschaftsbändchen knüpfen war. Geduldige schaffen beide Schuhe vielleicht an einem Tag, ich saß ganze drei dran - jeweils zwei Tage für das Knüpfen und dann noch einen für die Details.

pinkes Makramee: Für das Makramee dient der Riemen der Sandalette als Mittelstrang zum Knüpfen. Dann benötigen wir noch Stickgarn in zwei verschiedenen Farben. Die benötigte Länge kann ich euch nicht geben, da ich immer intuitiv abgeschnitten habe, was mal besser und mal weniger funktioniert hat. Aber das ist nicht weiter schlimm, einfach wieder ein Stück Faden anbinden und den Knoten unter dem Makramee verstecken. Die beiden Fäden binden wir nun an den oberen Anfang des Mittelstrangs fest, sodass nach links und rechts jeweils ein Faden absteht. Dann kann es auch schon mit dem Makramee knüpfen losgehen. Wie das geht, ist im eingebundenen Dawanda-Video ab Minute 1:12 zu sehen. Am Ende müssen die Fäden dann nur noch am Riemen festgeknotet werden.



gelb-lila Twist: Hierfür benötigen wir wieder zwei verschiedenfarbene Stickgarne, die jeweils wieder an einem Riemen festgeknotet werden, sodass ein Faden nach links und der andere nach rechts zeigt. Dann werden die beiden Stränge nur noch abwechselnd über Kreuz um den Steg gebunden und schon entsteht ein bunter Zebralook. Am Ende die Fäden wieder am Riemen festbinden.

Perlensteg: Zunächst habe ich einen dünnen Faden am Mittelsteg veknotet. Dann wurden immer drei bis vier Perlen aufgezogen, um danach den Faden wieder einmal um den Steg zu ziehen und dann wieder neue Perlen aufzuziehen. Dadurch sitzt alles schön fest und verrutscht nicht mehr (und wir ersparen uns das Nähen).

Fußkettchen: Hierfür benötigen wir ein feines Gliederkettchen, Ösen, Stickgarn, Perlen, eine Zange und eine Lochzange (wahlweise, wie ich, einen Nagel und Hammer). Um das Gliederkettchen befestigen zu können, benötigen wir am Riemen links und rechts ein kleines Loch. Schnell und sauberer geht das natürlich mit der Lochzange. Wer keine parat hat, der kann das auch ganz easy mit Hammer und Nagel machen. Nun müssen wir die Gliederkette auf die richtige Länge kürzen. Hierfür dient uns eine normale Zange, mit der wir die Ösen auf- und zugebogen bekommen. Steht die Länge fest, werden die Ösen an beiden Enden leicht geöffnet, um sie durch die Löcher im Riemen zu ziehen und anschließend mit einer Zange wieder zu schließen. In halbwegs symmetrischen Abständen werden mit zusätzlichen Ösen abwechselnd die Perlen und die Quasten angebracht. Für letztere benutzen wir wieder das Stickgarn. Einfach die Fäden auf das Doppelte der gewünschten Länge schneiden, umklappen und im Knick so zusammenbinden, dass noch eine kleine Schlaufe besteht, sodass die Verbindungsöse durchgefädelt werden kann. 

--> Meine Materialien fand ich bei idee.Creativmarkt bzw. den Stickgarn (noch von meiner Uroma) in Mamas Nähzubehör.


DIY - Ripped Jeans

Diese Jeans hier besitze ich schon seit Ewigkeiten, 10 Jahre mindestens. Damals lief das Modell noch unter den Namen "Röhre", worüber man heute nur noch leicht schmunzeln kann. Die Jeans wurden also immer enger und somit wanderte meine damalige Lieblingsjeans immer weiter nach hinten in den Kleiderschrank. Mittlerweile bin ich aber wieder ein großer Fan von etwas locker sitzenden Jeans, insbesondere im Frühling und an kühlen Sommertagen sorgen sie für die nötige Lässigkeit und Entspanntheit. Also kramte ich in einer wortwörtlichen Nacht- und Nebelaktion meine alte Lieblingsjeans wieder hervor, zog sie an und stellte fest, dass die Hosenbeine zu lang sind, sie umgekrempelt nicht wirklich besser aussehen und sowieso fühlte ich mich in ihr im Ursprungszustand auf einmal nicht mehr wohl. 

Das eine Knie war bereits zerrissen. Da ich diese Jeans früher wirklich fast ausschließlich trug, riss eines Tages am Bahnhof beim Bücken die Stelle aufgrund von Verschleiß auf. Somit musste ich also nur noch die andere Seite einer Bearbeitung unterziehen. Hierfür dienten mir als Inspiration die beiden folgenden YouTube-Videos, die ich euch hier einmal eingebunden habe. Zum Schluss schnitt ich noch die Hosenbeine auf Knöchellänge, raute die Enden mit einer Nagelpfeile (in Mangel an Schleifpapier) an und zog mit einer Pinzette noch ein paar Fäden heraus, um den Hosenabschluss nicht ganz so akkurat und gerade aussehen zu lassen. Et voilà war aus meiner alten Jeans eine neue geworden, in der ich mich nun wieder pudelwohl fühle.



Quellen:


1 Kommentar :

  1. Hm, das 8.000 l für eine Jeans "verbraten" werden, schockt mich jetzt gerade schon ziemlich – wusste ich nämlich nicht. ^^Irgendwie ist es erschreckend, wenn man sich überlegt, für wie viel Wasserverschwendung man verantwortlich ist, wenn andere Menschen nicht mal ausreichend zu trinken haben. :(

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